Einfach elektrisch Seglerschleppen

WSi2

Der Walter hat dankenswerterweise seinen Vortrag vom letztem November stichpunktartig aufbereitet. Ferner gibt es eine kleine Gemeinheit beim Schleppen, die immer wieder übersehen wird – Günter hat Beweis-Fotos. …eine Kurzanleitung

Die Motormaschine sollte haben: 

Gute Langsamflugeigenschaften für Start und Landung. Dabei sind beispielsweise große Tragflächen mit möglichst unkritischer (rechteckiger) Geometrie bei geringem Fluggewicht (geringe Flächenbelastung) günstig
Lange Rumpfhebelarme, sowie durch großes HLW ausreichendes Stabilitätsmaß ist beim Fliegen in größerer Höhe hilfreich
Eine Motorisierung welche mindestens 200W Eingangsleistung pro KG Schleppgespann bietet (nach oben keine Grenze)
Ein stabiles Fahrwerk, egal ob 2 oder 3Bein (Vorspur nicht vergessen)
Hilfreich sind Landeklappen zum Bremsen bei steilen Abstiegen und zur Reduzierung der Landegeschwindigkeit.
Eine robuste Schleppklinke, welche auch unter hoher Kraft zuverlässig ausklinkt.(Diese sollte beim zu erwartenden max. Gewicht (Segler+50%) kein Problem machen. Ebenso sollte die Befestigung diesen Kräften Standhalten. Die Position dieser Schleppklinke sollte so bemessen werden dass die Zugkraft durch den Masseschwerpunkt läuft, wenn der Segler ca 15° über dem Motormodell fliegt.
Für den Anfang kann durchaus ein Kreisel für die Querruder der Motormaschine benutzt werden, die entlastet den Motorpiloten.

Der Segler:

Alle 3 Achssegler mit Schleppkupplung und Störklappen sind geeignet.
Die Schleppkupplung sollte zuverlässig bei einem Zug der mindestens dem 1,5-2fachen des Modellgewichts entspricht auslösen (unbedingt vorher testen!). Lage der Schleppkupplung vorne mittig „ca 15° unterhalb Schwerpunkt“.

Schleppseil:

Die Länge des Schleppseils sollte ca. 25m betragen.
Grundsätzlich gilt; je länger eine Schleppleine ist ,um so einfacher wird es ein Schleppgespann sauber auf Kurs zu halten. Das Schleppseil muss stabil sein. Am besten ein 4mm Seil (Baumarkt). Optimale Farbe (Sichtbarkeit) Blau oder Rot.
Es bietet sich an, das Schleppseil so einzurichten, dass es nach dem Ausklinken in der Luft nicht „als Propeller“ die Leine verzwirbelt. Es erleichtert den Betrieb, wenn in das Schleppseil hinten ein Tischtennisball , Federball oder eine Styro-Kugel eingebunden wird.
Das Seil hängt dann nach dem Ausklinken des Seglers waagerechter und wird beim Abwurf kein Knäuel am Boden.
Die Seilschlaufen nicht verknoten, Enden vernähen, spleißen oder ähnlich und mit Schrumpfschlau überziehen (Bleibt nicht so leicht im Gras hängen).
Es ist zweckmäßig, über die ersten 1,5m bis 2m des Schleppseils ein flexibles Kunststoffrohr zu ziehen – dadurch wird (insbesondere bei aerodynamischen Ausgleichsflächen am Leitwerk des Schleppmodells) die Gefahr vermindert, dass sich das Schleppseil zwischen der Dämpfungsfläche und dem Ruder bzw.Servos und den Ausgleichsflächen an Höhen- bzw. Seitenrudern verfängt.
Ich empfehle, in jedem Schleppseil eine Sollbruchstelle vorzusehen. Eine Sollbruchstelle schützt die Modelle bei zu harten Rucks und wird am Ende des Schleppseils eingeknotet. Die Sollbruchstelle aus einer Perlonfadenschlinge, Fadendurchmesser ca. 0,4-0,8mm. (entpricht ~ 2 fachem Seglergewicht)
Helfer sollten das Schleppseil nicht einhängen. Das ist die Aufgabe des verantwortlichen Piloten, der sich diese Mühe immer selbst machen sollte. Sicherheit geht vor!

Das Schleppen:

Die Piloten müßen sich absprechen und in Hörweite stehen.
Der Motorpilot sagt früh genug an wohin er fliegt. Nicht nur die Richtung, auch wieviel Grad. Er wartet dann auf die Rückmeldung des Seglerpiloten.
Ein Startabbruch sowie Reaktion auf ungewöhnliche Fluglagen sollten vorher besprochen sein- (im Zweifel ausklinken rettet so manches Modell). Deshalb muß beim Segler der Schalter für die Schleppkupplung ohne Verzögerung und Hinsehen betätigt werden können.
Der Seglerpilot sollte in der Lage sein Querruder und Seitenruder getrennt zu steuern. Beim Einsatz des Kombi-Switch kann sich das Gespann aufschaukeln.

Bei gemähten Plätzen Seglerfläche am Boden abliegen lassen, Gegenquerruder bis Flächen waagrecht.
Motormaschine anrollen, Seil straffen, Vollgas.
Der Seglerpilot sollte kein Höhenruder geben. Das Modell hebt von selbst ab.

Für den Piloten des Seglers kommt es erst einmal darauf an, das Modell nach dem Abheben durch gefühlvolles Drücken im Horizontalflug zu halten, bis die Schleppmaschine vom Boden weggekommen ist. Die Trimmung der Motormaschine orientiert sich am gewünschten Steigen, und das Steigen hängt von der Fluggeschwindigkeit ab.
Die Geschwindigkeit des Schleppzugs diktiert die für den Segler am besten geeignete Geschwindigkeit. Die Schleppmaschine muss sich nach dem Segler richten, nicht umgekehrt.
Die Motormaschine sollte flach abgehoben werden. Nicht zu langsam, um Reserven zu behalten. Aber auch nicht zu lange am Boden halten und zu schnell werden, weil sonst der Segler die Motormaschine zusehr übersteigt.

Der Seglerpilot hält mit dem Querruder sein Modell immer gerade und der Steigwinkel wird mit der Höhenrudertrimmung(!) eingestellt.
Wenn man das Anfängerstadium verlassen hat, kann man mit dem Seitenruder den Kurvenradius mitfliegen. Vor dem Einleiten einer Kurve gehört der Segler niemals nach innen, sondern NACH AUßEN.(als Hilfe kann Seitenruder entgegen der Kurvenrichtung gegeben werden
Nach dem Abheben und nach etwa hundert Metern Geradeausflug in einer sehr großen 90°-Kurve abzubiegen und so Distanz zum Pilotenstandort aufzubauen.

Um eine weite Kurve zu fliegen, leitet man als Schlepppilot diese mit leichten Querruder/Seitenrudereinsatz ein (keine grosse Querlage) und fliegt/stützt die Kurve mit dem Seitenruder.
Die Schräglage wird mit den Querruder konstant gehalten, um den Schlepper am Ende der Kurve wieder in die horizontale aufzurichten.
Gerät der Segler in einer Kurve nach innen und droht die Schleppmaschine einzuholen, ist das ein Indikator für das sofortige Ausklinken. Klinkt der Segler nicht aus, vielleicht weil sein Pilot starr vor Schreck ist, macht das der Pilot der Schleppmaschine. Lieber ein verlorenes Schleppseil als eine Modellbeschädigung durch einen zu kräftigen Ruck.

Dann erfolgt nach ca. 300m die nächste Kurve, diesmal deutlich mehr als 90°. Das Ziel ist es, den Schleppzug in einem schrägen Winkel dem Pilotenstandplatz anzunähern und in sicherer Entfernung daran vorbei zu fliegen.
Wenn man ungeübt ist, sollte man tunlichst nicht direkt auf sich zu fliegen, da man dabei leicht senkrecht über sich gerät. In dieser Position kann man nur schlecht erkennen, was der Schleppzug macht.
Aus diesem Grund sind große Achten in sicherer Entfernung zu empfehlen, die vor dem Pilotenstandplatz geflogen werden („….großräumig vor dem Wind kreuzen.“).

Wichtig ist, dass der Schlepper in der Kurve nicht zu langsam wird. Das passiert vielen, weil man gewohnt ist in der Kurve etwas zu ziehen. Das führt dann vielfach dazu, dass man in der Kurve stärker zu steigen beginnt, was schnell einmal die Geschwindigkeit für manchen Segler zu gering werden lassen kann, was dann zu Problemen beim Segler führt.

Genauso schlecht ist es, wenn man in der Kurve zu sinken beginnt und so schneller wird.
Dann kann der Segler wie an einem Pendel um die Kurve herum geschleudert werden, was im Extremfall zu strukturellen Überlastungen am Segler führen kann!
Also immer aufpassen als Schlepppilot, dass die Steiggeschwindigkeit auch in einer Kurve möglichst konstant bleibt.

Es wird ausgeklinkt und abgebrochen, wenn etwas passiert, das nicht in Ordnung ist.
Alles, was anders ist, als es sein sollte, ist nicht in Ordnung . Es wird ausgeklinkt, bevor man versteht, was da oben gerade passiert bzw. passiert ist. Wenn man abwartet, bis man versteht, was passiert, kann es bereits zu spät sein. Aus 120m ist man bei einem senkrechten Absturz in weniger als 2s am Boden!

Vor dem Ausklinken sollte etwas gedrosselt werden. Unmittelbar nach dem Ausklinken dreht der Segler nach rechts und die Schleppmaschine nach links ab. Erst wenn klar ist, dass sich die Modelle getrennt haben, geht auch der Schlepper in die Linkskurve

Die Landefläche ist vor dem Eintreffen der Motormaschine unbedingt freizuhalten, damit diese sicher Landen kann!

In diesem Sinne:
Möglichst viele unfallfreie, schöne Schlepps!

Ein Gedanke zu „Einfach elektrisch Seglerschleppen

  1. kleine Definitionen aus meiner Schlepperfahrung (aus Sicht eines Seglerpiloten):
    Ein Segler mit geringer Profilwölbung schleppt sich leichter, da der Auftriebsanstieg über den Anstellwinkel kleiner ist. Ideal sind Segler, die ohne Steuerkorrekturen nach kurzem Anrollen abheben. Wenn der Tragflächen-Anstellwinkel am Boden bedingt durch die Bodenauflagepunkte groß ist, stabilisiert sich auch die Querlage durch das Luftpolster beim Anrollen.
    Segler mit wenig V-Form sind u.U. günstiger bei Kurven, die vom Schlepper eingeleitet wurden, weil diese sinngemäß eher geradeaus fliegen wollen, was automatisch zu einem größeren Seglerradius führt. Generell ist es ratsam, wenn der Schlepper ähnlich einem Segler am Hang vor dem Wind parallel hin und her fliegt, mit großem Kurvenradius wendet und sich durch den Wind leicht zum Piloten versetzen läßt. Also niemals sollte das Gespann in eine Rückenwindsituation gebracht werden!
    Noch ein Wort zur Segler-Schleppkupplung: manche Kupplungen werden aus Vereinfachung außermittig angebracht, was zur Folge hat, dass bei den unvermeidbaren Zugkraftschwankungen der Segler um die Hochachse ständig unruhig ist. Wenn man so eine Kupplung hat, kann man als Behelf mittig in die Nase eine Ringöse einharzen, die groß genug ist, dass das Schleppseil sich frei hindurchbewegen kann, also von der Seitenkupplung dem Rumpf entlang durch die Öse, das hat sich bei mir gut bewährt. Bei mittigen Kupplungen wäre die Hochlage so zu wählen, dass das Seil möglichst hoch im Bezug zum Schwerpunkt angreift, um Nickschwingungen des Modells zu minimieren. (Unruhe in der Querachse)
    Der Segler Pilatus B4 entspricht in etwa den oben beschriebenen Eigenschaften.
    gf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.