KA 1 Rhönlaus: 2.5m Semiscale-Segler von Franken-Modellbau.

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Wenig gute Worte findet Markus Karjetta zu diesem optisch eigentlich ansprechenden Modell: Zu schwer, falsches Profil und gravierende Fehler in der Holm-Konstruktion, sowie mangelnder Service. Nach einer größeren Änderung an den Flügeln konnte das Modell wenigstens fliegbar gemacht werden…

KA 1 Rhönlaus von Franken-Modellbau

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Durch einen sehr positiven Testbericht in der Modell wurde ich auf diesen netten kleinen Oldtimer aufmerksam. Nachdem ich die Rhönlaus schon immer interessant gefunden habe, war der Entschluß schnell gefaßt: Der Flieger muß her!
Dass die Flugleistungen nicht berauschend sein würden, war von vornherein klar. Aber das Modell versprach mit seiner rechteckigen Tragflächengeometrie ein ungewöhnliches Flugbild und eine Alternative zum ASW-Einerlei.
Allerdings muß ich jeden warnen, der nun einen Testbericht der Marke „…das Modell war an einem Wochenende gebaut und flog auf Anhieb einwandfrei…“ erwartet. Hier liest sich das etwas anders.

Der Bausatz

Aber der Reihe nach. Kurzfristig war leider nur ein fertig bespanntes Modell lieferbar. Da ich wegen der Vorbildtreue aber unbedingt noch Störklappen und Flächenstreben einbauen wollte, mußte ich die (übrigens sehr empfindliche) Bespannung erstmal herunterreißen.

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Zum Vorschein kamen ordentlich gebaute und sauber verschliffene Flächen. Allerdings sind die Flächen zu schwer und (wie sich später bei Bruchlandungen zeigte) nicht sehr stabil. Der Holm besteht nämlich aus einem sehr schweren, ca. 1 cm breiten Balsasteg. Dieser ist leider an den Rippen bis über die Hälfte durchgesägt und stumpf verklebt. Somit sind die Sollbruchstellen schon eingebaut…
Außerdem fiel gleich der enorme Nasenradius auf. Das Profil ist, wie beim Original, 16% dick!

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Der Rumpf ist sehr gut verarbeitet, die Rörchen für die Leitwerkssteckung sind bereits eingeharzt, leider nicht ganz parallel, daher mußten die hinteren nochmal neu eingeharzt werden.

Allgemein wirkt die Ausstattung des Baukastens sehr spartanisch (siehe Bild). Es werden keine Beschlagteile, Aufkleber, oder sonstigen Kleinteile mitgeliefert. Die Bauanleitung ist mit zwei Seiten recht knapp, enthält aber alle wichtigen Daten.

Der Aufbau

…geht durch die hohe Vorfertigung recht schnell und problemlos vonstatten. Allerdings wurden ein paar Veränderungen am Modell vorgenommen, damit es etwas originalgetreuer wirkt. Zunächst habe ich zusätzlich aus Abachiprofilleisten Flächenstreben angefertigt. Außerdem habe ich Drehstörklappen in die Flächen gesetzt, die mit einer Torsionsanlenkung angesteuert werden (Nicht, dass das Modell irgendwelche Gleitzahlpunkte zu verschenken hätte…).
Vorne ist am Rumpf bereits eine Landekufe angeformt. Diese wurde noch mit einem dünnen Sperrholzbrett verkleidet. Hinten mußte ich erst noch eine Kufe aus Balsa und Sperrholz formen. Auf die Rumpfnase kam noch ein Venturirohr.

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Und dann begann die wohl aufwendigste Arbeit: Das Erstellen einer Kabinenhaube mit einer Sperrholzrahmenkonstruktion. Die Kabinenhaube der fränkischen Rhönlaus ist nämlich von einer heute noch fliegenden Ka 1 abgeschaut. Hier hat sich der Besitzer eine größere und wesentlich einfacher konzipierte Haube gebaut. Ich wollte aber unbedingt die ursprüngliche, in die Fläche eingestrakte Haube nachbilden. Mittels 0,5 und 1 mm – Astralon sowie 117 (!) M1-Schrauben und etwas Nitro-Spachtel für die Übergänge entstand so eine Haube, die das Oldtimer-Flair noch unterstreicht.
Da ich schon bei anderen Modellen gute Erfahrungen mit dem Material gemacht habe, wurde die Rhönlaus mit Polyestervlies bespannt und mit 2-K-Lack elfenbeinweiß lackiert.
Den krönenden Abschluß machte meine Freundin, indem Sie aus Pappmache einen Pilotenkopf nach dem Vorbild von einem Vereinskameraden, Walter Sickinger, anfertigte. Eine stilechte Ledermütze und eine Strickjacke gab ihm noch den letzten Schliff (Danke für Deine tolle Arbeit, Nadja!).
Die Bleimenge, die ich trotz zwei 1,7 Ah-Akkus einbringen mußte, ließ nichts Gutes ahnen: 3,5 Kg, entspricht ca. 65 g/dm2. Also nicht gerade ein Leichtgewicht für 2,5 m Spannweite (tatsächlich hat der Flieger entgegen der Bausatz-Angaben etwas über 2,6 m).

 Das Fliegen

Kennen Sie das auch? Diese gespannte Erwartung, dieses Kribbeln im Bauch, den Adrenalinschub beim Erstflug? Wird das neue Flugzeug sich in seinem Element wohlfühlen und die in es gesetzten Erwartungen erfüllen? Es dachte gar nicht daran! Die Flugbahn beim Erstflug war eher ballistisch. Ein anschließender Versuch an der Winde brachte das Ergebnis, dass die Hochstarthakenanordnung an der Rumpfunterseite wohl nicht ganz glücklich gewählt war und ein paar interessante Einblicke in den Aufbau des Flügels. Anschließend das große Grübeln: Woran lag’s? Schwerpunktlage bei 30%, EWD nach Plan, aber diese Nasenleiste! Als ein weiterer Flug ähnliche verlief (bei hoher Geschwindigkeit konnte das Modell gehalten werden, bei leichter Auftriebserhöhung erfolgte ein Strömungsabriß) entschied ich mich, den Hersteller anzurufen. Hier wurde mir erklärt, dass doch schließlich im Testbericht der Modell alles gelobt wurde, aber ich solle doch nochmal anrufen, dann könne ich mit dem Konstrukteur selber sprechen.
Eine Woche später kontaktierte ich also den Konstrukteur. Nein, also von dem Modell wären alle begeistert, das könne er sich überhaupt nicht erklären, aber ich solle doch mal den Autor des Testberichts in der Modell anrufen… Grrrrmmph! Na gut, was für ein Profil hat die Kiste den überhaupt? Im Prospekt steht nur was von NACA-Strak. Naja, also die Konstruktion wäre schon 10 Jahre alt und der Bausatz wird im Ausland hergestellt, deswegen habe er da keine Unterlagen mehr …
Dieser Anruf half mir natürlich entscheidend weiter.
Können Sie sich das vorstellen? Ihr Auto läuft nicht mehr, Sie rufen beim Hersteller an. Der erklärt Ihnen, daß er die Probleme überhaupt nicht verstände, aber sie sollten doch mal bei dieser Autozeitschrift anrufen, bei der das Auto so gelobt wurde. Nein, was für einen Motor das Auto hat, kann man nicht mehr feststellen, die Konstuktion ist schon etwas älter und es wird ja im Ausland hergestellt.

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Also mußte ich selber mal nachforschen. Bei dem Profil handelt es sich wahrscheinlich um ein NACA 4415, daß nochmal um ein Prozent aufgedickt wurde. Das Profil hätte laut den Tabellen von Franz Perseke, Das Segelflugmodell Teil I einen Nasenradius von 2,48%, entspricht bei 250 mm Profiltiefe einem Radius von 6,2 mm. Die angebaute und verschliffene Nasenleiste hat einen Radius von ca. 13 mm…
Alles klar! Die Nasenleiste wurde abgeschnitten und eine neue angeklebt. Um ganz sicher zu gehen, habe ich diese Leiste absichtlich noch etwas spitzer gemacht.

Der Erfolg

Und jetzt flog die Kiste auf einmal! Das Modell hat eine geradezu atemberaubende… Sinkgeschwindigkeit. Ich habe noch nie ein Modell mit so schlechten Flugleistungen besessen. Das Handling ist nicht ganz einfach, das Modell fliegt relativ unruhig. In Kurven sackt die Ka 1 (wohl bedingt durch die niedrige Streckung) stark durch. Die Wendigkeit ist gut, Rollen und Turns stellen kein Problem dar. Mit der neuen Nasenleiste ist auch das Überziehen relativ unkritisch geworden. Das Flugbild ist sehr gewöhnungsbedürftig und wirkt dank der bespannten Flächen recht nostalgisch. Allerdings ist das Modell durch die hohe Flächenbelastung viel zu schnell.
Den Hochstarthaken habe ich entfernt.Bei dem hohen Rumpf müßte man wahrscheinlich zwei Haken auf halber Rumpfhöhe anordnen, um einen sicheren Hochstart zu gewährleisten. Da sind bei mir aber die Streben im Weg. Außerdem will ich mich doch nicht dadurch blamieren, dass mein Modell schneller als der Fallschirm am Boden ist…

Fazit: Der Bausatz sieht zwar gut aus, ist aber im Endeffekt sein Geld nicht wert, weil sich ein paar gravierende Fehler eingeschlichen haben (Gewicht und Bauweise der Tragflächen). Mich stört nach den Flugerfahrungen besonders, daß man versucht hat, die Dicke des Originalprofils auf das Modell zu übertragen. Die Ka 1 wäre sicher auch fliegerisch ein reizvolles Modell, hätte man die Flächenbelastung durch eine andere Bauweise reduziert (wobei meine Semi-Scale-Details natürlich auch einiges an Gewicht gekostet haben) und vor allem ein anderes Profil gewählt. Eine gute Wahl wäre z.B. ein Clark Y in Originaldicke (11,7%). Ich habe auch schon überlegt, eine neue Fläche zu bauen, dafür müßte ich aber eine neue Haube bauen ;-((
Auch das Leitwerk würde ich neu bauen, weil hier wirklich jedes Gramm zählt und sich durch die kurze Rumpfnase stark in Trimmblei niederschlägt.
Zu guter letzt möchte ich mich noch bei Franken-Modellbau für dieses ausgereifte Modell und die tolle Beratungsqualität bedanken…

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